Warum wollen immer weniger Männer Kinder haben?

Hier wird über Familienpolitik diskutiert.
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Gast

Warum wollen immer weniger Männer Kinder haben?

Post by Gast »

Warum bleiben gerade Akademiker kinderlos?
von lurkerabove


Unter diesem Titel ist hier:
http://community.zukunft.at/forums/thread/2944.aspx
der folgende Beitrag zu finden:

Ein ganz wichtiger Aspekt ist bisher noch wenig besprochen worden. Dazu habe ich einen Diskussionsbeitrag aus Deutschland gefunden, wo das Problem noch krasser ist, der das Problem wirklich auf den Punkt bringt:

"Sie selber beklagen es ja - männliche Akademiker sind noch viel öfter kinderlos als weibliche, schreiben Sie. Über die Ursachen denken Sie nicht nach - die Männer sind einfach böse, nicht?

Ich sage Ihnen was: diese Männer wurden fast ausschließlich von Frauen erzogen, ob nun im Elternhaus, im Kindergarten, in der Grundschule. Das Märchen von den nur anerzogenen Unterschieden der Geschlechter scheint mir da irgendwie unglaubhaft.

Ich sage Ihnen noch was. Viele dieser Männer stammen aus Scheidungsfamilien. Sie sind ohne Vater aufgewachssen, ohne Vorbild für eine solche Rolle (die Mutter hat im Zweifel auf den Papa nur geschimpft).

Sie wissen aus eigener Erfahrung, daß vom Zeitpunkt der Trennung an der Vater im Leben seiner Kinder bestenfalls noch die Stellung eines netten Onkels innehat. Bestenfalls! Zieht die Ex-Frau ein paar hundert Kilometer weg oder verweigert sie schlichtweg die Zusammenarbeit beim Besuchsrecht (was sehr häufig vorkommt), dann Sie als Mann ihre Kinder los. Derweil zahlen SIe horrende Unterhaltsbeträge nicht nur an die Kinder, sondern vor allem an die Ex-Frau, und - speziell wenn Kinder da sind - evtl. bis zur Rente. Sie haben keinerlei Chance, jemals wieder eine neue Familie zu gründen.
Diese Männer kennen ihre Väter als arme Schweine. Und alle anderen kennen solche Fälle zumindest aus dem Bekanntenkreis.

Wir wäre es, wenn Sie mal darüber nachdächten, welche Gründe es in unserer Gesellschaft gibt, Kinder zu bekommen? Wirtschaftlich ist es ein Riesenverlustgeschäft. Es verbleiben ausschließlich emotionale Gründe: Kinderliebe, der Wunsch, Kinder aufwachsen zu sehen etc. Die sind bei Männern von Haus aus schwächer als bei Frauen (Prolaktinmangel!). Viel schlimmer aber ist: im Falle einer Trennung ist dieser einzige "Vorteil" eigener Kinder beim Teufel. Und das bei Scheidungsraten von 40%.
Ein Mann, der ohne Trauschein mit einer Frau zusammenlebt, hat Sex und seine Freiheit, ohne bei einer Trennung etwas zu riskieren. Selbst, wenn er sie heiratet, hat er gute Chancen, daß sie sich nach einer Scheidung selbst ernähren kann und muß. Sobald aber ein Kind da ist, ändert sich das schlagartig: mit oder ohne Trauschein, er zahlt der Ex Unterhalt. Bei zwei oder mehr Kindern, wenn Berufstätigkeit für die Ex vollends unzumutbar wird, im Zweifel bis zur Rente. Dazu kommt der Unterhalt für Kinder, die er kaum noch zu sehen kriegt - und denen die Mama im Zweifel einimpft, was für einen schrecklichen Erzeuger sie haben.

Je intelligenter ein Mann ist, desto eher kapiert er das. Und je mehr er verdient, desto teurer wird der Spaß für ihn (desto größer ist der materielle Unterschied zwischen dem kinderlosen Leben und dem als Vater). Und da wundern Sie sich über die Kinderaversion der heutigen Akademiker?

Ich sage ihnen noch was. Die höhere (wenngleich immer noch zu geringe) Kinderquote in Schweden kommt nicht daher, daß die schwedischen Frauen so glücklich damit sind, ihre kleinen Kinder im Hort abzugeben, um sich im Beruf zu "verwirklichen". Keine Mutter tut das gern. Die Schwedinnen tun es, weil sie müssen - ein Gehalt reicht bei der dortigen, exorbitanten Abgabenquote einfach nicht aus.
Für die Männer heißt das allerdings: im Fall einer Trennung muß ich zumindest nicht für die Ex bezahlen. Umfragen zeigen: vor allem bei schwedischen MÄNNERN ist die Bereitschaft, Kinder zu zeugen, deutlich größer als bei deutschen.

Der Grund für die höhere Geburtenrate Schwedens liegt damit darin, daß der wirtschaftliche Vorteil der Kinderlosigkeit geringer ist. Denn zur Fremdbetreuung tragen auch die Kinderlosen bei, während für die Eltern die Opportunitätskosten sinken.

Dennoch herrscht auch in Schweden gerade unter den Gebildeten Kindermangel. Denn die Nachteile, die Kinder mit sich bringen, sind nicht ausgeglichen, sondern nur abgefedert; und die Motivation, Kinder zu haben, ist vor allem für Frauen durch das frühe "Hergebenmüssen" gedämpft.

Also weg mit dem einer Emanzipation, deren Haßobjekt stets, mehr noch als die Männer, Mütter gewesen sind, die sich für ihre Kinder beruflich einschränkten. Moderne Frauenpolitik müßte sich auf die Bedrürnisse von MÜTTERN konzentrieren und alles tun, damit sie NEBEN und NACH der Kinderbetreuung (statt in Ersatz derselben) beruflich aktiv sein können. Moderne Frauenpolitik käme auch VÄTERN zugute, sie wäre Umverteilungspolitik zugunsten von Mittelstandsfamilien.

Würden Kinderlose und Kinderarme gezwungen, zugunsten fremder Kinder dasselbe zu leisten, was Eltern (incl. Opportunitätskosten) für ihre Kinder erbringen, dann, das garantiere ich ihnen, wäre der Geburtenboom beispiellos."
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Dazu eine Antwort von Dr. Wilfried Grießer:
Ein Beitrag, der sehr schön zeigt, wie heutigentags keineswegs nur Frauen mit Kindern in wirtschaftliche Abhängigkeit geraten können, sondern auch Männer an ihre Familie "gekettet" werden können, wobei hier noch der Nachteil hinzukommt, daß (wie ausgeführt) Besuchsrechte oft nur auf dem Papier bestehen! Die (Frauen-)politik wäre gut beraten, einige Stereotype von Grund auf zu überdenken!!!
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und wieder lurkerabove

Der Beitrag fand sich in der Diskussion der Hamburger ZEIT, Beilage 'Zeit Wissen', Artikel 'Frauen sind auch nur Männer'

http://hades.zeit.de/index.php?article_ ... ndex#20200

Man kann sich jetzt natürlich fragen, ob man überhaupt Männer braucht, die Väter sein wollen. Es genügen ja Männer, die mit einer Frau Sex haben wollen, und die Kinder werden dann ohnehin in staatlichen Kinderkrippen betreuut.

Unabhängig davon, wie es den Babies dabei geht: Kann so ein Modell langfristig stabil sein? Was meinen Sie?
alwis
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Es gibt also nicht nur arme Alleinerzieherinnen

Post by alwis »

Es ist gut und der Gerechtigkeit halber notwendig, daß die Ursachen der Kinderarmut auch einmal von der männlichen Seite aus beleuchtet werden.

Und es ist auch gut und der Gerechtigkeit halber notwendig, daß einmal nicht nur die "armen Alleinerzieherinnen" bedauert werden, sondern auch das Leid der Väter gesehen wird, denen ihre Kinder vorenthalten werden.

Familie zu gründen, also Kinder in die Welt zu setzen, ist heute mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden. Das war es zwar früher auch - vor allem für die Frauen war es z.T. sogar lebensgefährlich.
Der Unterschied ist nur: heute lassen sich Kinder verhältnismäßig leicht vermeiden.

Mein Schluß aus diesen und anderen Überlegungen lautet:

:arrow: Heute sind für die Familiengründung und das Aufziehen von Kindern mehr als in früheren Zeiten Überzeugung, Lebensbejahung, Idealismus und hohe Moral gefordert.

:arrow: Wenn Europa diese geistig-moralische Herausforderung nicht meistert, werden seine Völker von der Weltbühne abtreten - so einfach ist das.

:arrow: Noch halte ich Europa nicht für verloren. Aber wir werden uns ganz gewaltig anstrengen müssen!
Kinder - unsere Freude.
Glücklich wird, wer andere glücklich macht.
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