Im Hallenbad mache ich mir oft Gedanken über mehrere junge Mütter mit ihren Kindern. Sie sind natürlich sehr mit ihren Kindern beschäftigt, unterhalten sich auch miteinander bestens und machen insgesamt einen gelösten, zufriedenen Eindruck. Sie genießen ganz offensichtlich die gemeinsame Zeit. Es sind nie mehr als höchstens sechs oder sieben. Warum können es nicht mehr sein? Viele sind berufstätig und können sich nicht ihren Kindern widmen.
Und das ist meine quälende Frage:
Warum kann man den jungen Frauen nicht die paar Jahre ohne berufliche Verpflichtungen und Sorgen gönnen, solange sie Kinder haben? Wäre es zu schön, wenn sich eine Frau mit ihren Kindern und Freundinnen eine schöne Zeit machen könnte? (Nur schön und sorgenfrei geht es mit Kindern ohnehin nicht!)
Träume ich als Mann Frauenträume?
Immer wieder hört man, wir brauchten mehr Kinder. Die Bevölkerungspyramide sei beängstigend und unsere Renten in Zukunft nicht mehr gesichert. Da muss ich an eine Bekannte denken, (Alleinerzieherin zweier Kinder) die mir einmal sagte: „Was hat man denn von den Kindern? In der Früh zur Tagesmutter bringen, dort mit wundem Herzen weinend zurücklassen, am Abend – womöglich wieder weinend – von der Tagesmutter holen (Kinder leben ja im Augenblick und haben sich inzwischen an die Tagesmutter gewöhnt), kurz „füttern“, ins Bett bringen, vielleicht noch eine Geschichte erzählen und Ende. Am nächsten Morgen womöglich sogar aus dem Schlaf reißen und - siehe oben! Für mich wäre es gescheiter, wenn ich gar keine Kinder hätte. Ich hab nichts von ihnen und sie haben nichts von mir.“ Einzelfall? - Beileibe nicht! Da sollen die Frauen Lust auf Kinder haben?!
Woran liegt das, warum müssen so viele Frauen ihre Kinder anderen anvertrauen, anstatt sich selbst um sie zu kümmern? Es wäre doch das Natürlichste von der Welt, dass eine Frau, wenn sie Kinder hat, diese selbst betreut, mit allen Beschwernissen und Freuden. Sie bringt am leichtesten die Liebe auf, die es braucht, um die Belastung zu tragen, die Kinder ja auch verursachen und sie verdient die Freuden, die von den Kindern ausgehen am meisten. Mütter haben doch ein Recht auf ihre Kinder und Kinder haben ein Recht auf ihre Mütter. Da stehen endlich einmal Rechte nicht gegeneinander, sondern decken sich, und dann darf das nicht sein! Ist unsere Gesellschaft nicht pervers?
Schuld daran sind - ich muss Verrat am eigenen Geschlecht begehen - zu einem guten Teil wir Männer. Sehr viele Frauen haben ihre Abhängigkeit von ihrem Mann allzu drückend erleben müssen. Kein Wunder, dass sie sich sagen, sie müssen sich ihr Geld selbst verdienen, um sich größere Unabhängigkeit zu sichern. Und nun ist das ganze wirtschaftliche Leben schon darauf ausgerichtet, dass das Einkommen des Mannes oft gar nicht mehr reicht, um die Familie zu ernähren, auch wenn er wollte. (Dass manche Frau genau genommen nicht darauf angewiesen wäre, sondern nur um noch mehr Geld zu bekommen arbeitet, steht auf einem anderen Blatt.) Dabei haben Psychologen und Pädagogen längst erkannt, dass wechselnde Bezugspersonen im frühen Kindesalter den Kleinen sehr abträglich sind und zum sogenannten Hospitalismus führen. Mangel an Urvertrauen, Beziehungsunfähigkeit, Bindungsangst, schwaches Selbstwertgefühl u. dgl. sind die Folge.
Und dann wundern wir uns, wenn die Kinder schon im Volksschulalter widerspenstig, gewaltbereit und in mancherlei Weise verhaltensgestört sind.
Und mit welchem Recht machen wir Heranwachsenden eigentlich Vorwürfe, wenn sie gegen ihre Eltern frech und aggressiv sind und sogar kriminell werden?
Würde man die Lebensgeschichte krimineller Jugendlicher untersuchen und statistisch erheben, würde sich bestimmt zeigen, dass es sich um herumgeschobene und oft auch vernachlässigte Kinder handelt. (Oft auch „Wohlstandsverwahrlosung“!)
Kinder, die mit Sorgfalt und Liebe von den eigenen Eltern erzogen wurden, werden kaum eine ungute Entwicklung nehmen.
Das müsste das Bestreben unserer Gesellschaft sein: Kinder in einem „warmen Nest“ aufwachsen zu lassen in wirklicher Geborgenheit und beständiger, sorgfältiger Führung.
Ob Politik und Wirtschaft zu diesen Erkenntnissen fähig sind? Sie müssten die Voraussetzung dafür schaffen!
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