Kind als Schadensfall? OGH-Entscheidung in Österreich
Posted: 06.03.2008, 21:02
Frau G.K. aus Klagenfurt an [email protected]
Sehr geehrte Damen und Herren,
bezugnehmend auf Ihre Berichterstattung über das Urteil des OGH ein behindertes Kind als Schadensfall zu betrachten,
bitte ich Sie meinen Brief in Ihrer Zeitung zur Veröffentlichung zu bringen.
Mit freundlichen Grüßen
Kaum 60 Jahre nach Ende des Holocaust mit Gesetzen vom unwerten Leben ist das erneute Urteil des OGH, ein Kind als Schadensfall zu betrachten höchst alarmierend.
Es geht nicht nur um dieses einzelne Kind, dessen Leben als "ärztlicher Kunstfehler" deklariert wurde - es geht um Tausende weiterer Kinder über die gleichsam das Urteil gefällt ist: wer kann die Kinder zählen, die in den kommenden Monaten und Jahren nicht auf die Welt kommen werden, weil Ärzte nun aus Angst von einem ähnlichen Prozeß Eltern vorsichtshalber zur Abtreibung ihres Kindes raten?
Die Signalwirkung muß fatal ausfallen.
Wir leben in einem der reichsten und medizinisch höchst entwickelten Länder dieser Erde und sollten nicht in der Lage sein, Menschen mit Behinderungen mit uns leben zu lassen? In Österreich ist es erlaubt, Babys, die geistig und körperlich behindert sind, bis kurz vor dem Geburtstermin abtreiben zu lassen. Es gibt erschütternde Berichte von Fällen, in denen Kinder ihre eigene Abtreibung überlebt haben ( www.tim-lebt.de )! Keinesfalls geht es hier nur um etwas "Schwangerschaftsgewebe", sondern um einen Menschen mit einer einzigartigen Persönlichkeit.
Wie weit entfernt - fragt man sich nach einem solchen Urteil - ist eigentlich der Gedanke an "Euthanasie" bei Neugeborenen? Zu bissig gefragt? Für die Alten und Kranken haben wir die Diskussion längst.
Menschen, die Beeinträchtigungen derart hart gegenüber stehen, vergessen, dass fast jeder Mensch früher oder später "behindert" und auf Hilfe angewiesen sein wird, wie die Pflegediskussion deutlich zeigt.
Leben wird dann reich und erfüllend, wenn wir erkennen, dass Starkes immer für Schwaches stehen sollte.
Und das scheinbar Schwache kann unser Leben ungeheuer reich machen.
Längst verloren gelaubte Werte bekommen gerade im Kontakt mit behinderten Menschen Raum:
unbeschwert fröhlich sein können,
frei sein vom Konsumzwang,
fähig, die kleinen Dinge zu sehen und sich von Herzen daran zu freuen.
Für mich ist es ein Geschenk, dass ich mit einem "behinderten" Bruder aufwachsen durfte. Durch ihn habe ich unendlich viel gelernt und er war und ist eine Bereicherung.
Unsere Gesellschaft wäre wärmer, würde nach Geburten nicht am häufigsten die Worte fallen "Hauptsache gesund", sondern "Hauptsache geliebt"!
Sehr geehrte Damen und Herren,
bezugnehmend auf Ihre Berichterstattung über das Urteil des OGH ein behindertes Kind als Schadensfall zu betrachten,
bitte ich Sie meinen Brief in Ihrer Zeitung zur Veröffentlichung zu bringen.
Mit freundlichen Grüßen
Kaum 60 Jahre nach Ende des Holocaust mit Gesetzen vom unwerten Leben ist das erneute Urteil des OGH, ein Kind als Schadensfall zu betrachten höchst alarmierend.
Es geht nicht nur um dieses einzelne Kind, dessen Leben als "ärztlicher Kunstfehler" deklariert wurde - es geht um Tausende weiterer Kinder über die gleichsam das Urteil gefällt ist: wer kann die Kinder zählen, die in den kommenden Monaten und Jahren nicht auf die Welt kommen werden, weil Ärzte nun aus Angst von einem ähnlichen Prozeß Eltern vorsichtshalber zur Abtreibung ihres Kindes raten?
Die Signalwirkung muß fatal ausfallen.
Wir leben in einem der reichsten und medizinisch höchst entwickelten Länder dieser Erde und sollten nicht in der Lage sein, Menschen mit Behinderungen mit uns leben zu lassen? In Österreich ist es erlaubt, Babys, die geistig und körperlich behindert sind, bis kurz vor dem Geburtstermin abtreiben zu lassen. Es gibt erschütternde Berichte von Fällen, in denen Kinder ihre eigene Abtreibung überlebt haben ( www.tim-lebt.de )! Keinesfalls geht es hier nur um etwas "Schwangerschaftsgewebe", sondern um einen Menschen mit einer einzigartigen Persönlichkeit.
Wie weit entfernt - fragt man sich nach einem solchen Urteil - ist eigentlich der Gedanke an "Euthanasie" bei Neugeborenen? Zu bissig gefragt? Für die Alten und Kranken haben wir die Diskussion längst.
Menschen, die Beeinträchtigungen derart hart gegenüber stehen, vergessen, dass fast jeder Mensch früher oder später "behindert" und auf Hilfe angewiesen sein wird, wie die Pflegediskussion deutlich zeigt.
Leben wird dann reich und erfüllend, wenn wir erkennen, dass Starkes immer für Schwaches stehen sollte.
Und das scheinbar Schwache kann unser Leben ungeheuer reich machen.
Längst verloren gelaubte Werte bekommen gerade im Kontakt mit behinderten Menschen Raum:
unbeschwert fröhlich sein können,
frei sein vom Konsumzwang,
fähig, die kleinen Dinge zu sehen und sich von Herzen daran zu freuen.
Für mich ist es ein Geschenk, dass ich mit einem "behinderten" Bruder aufwachsen durfte. Durch ihn habe ich unendlich viel gelernt und er war und ist eine Bereicherung.
Unsere Gesellschaft wäre wärmer, würde nach Geburten nicht am häufigsten die Worte fallen "Hauptsache gesund", sondern "Hauptsache geliebt"!