Träume und Albträume
Schon fünfzig Jahre ist’s exakt,
daß man das Ding erdachte,
das lockend transparent verpackt
wohl Milliarden brachte.
Denn seither liegt der Plastiktraum
der meisten kleinen Gören
verläßlich unterm Weihnachtsbaum -
drauf könnte fast man schwören.
Der Körperbau ist zwar normiert,
doch Kleider, Farben, Rassen,
die werden laufend variiert,
um in die Zeit zu passen.
Da keiner mehr die Typen zählt,
ist aber eins geschehen:
Daß eine Burka-Barbie fehlt,
hat jeder übersehen!
Nun hat den Mißstand man saniert
und das Entbehrte schließlich
zum Jubiläum präsentiert -
nur trotzdem macht’s verdrießlich:
Denn die Erzeugung – echt zu dumm -
ist noch nicht angelaufen,
zur Weihnacht heuer gab es drum
die Holde nicht zu kaufen!
Voll Zorn sind auf die Industrie
indessen auch Emanzen -
sie denken ja, man wolle sie
jetzt gar mit Spielzeug pflanzen.
Am meisten nimmt man Anstoß dran
jedoch in andern Ecken:
In Barbie-Burkas nämlich kann
sich glatt ein Ken verstecken!
Pannonicus
26. Dezember 2009 – Folge 52-53/pgbarbie.doc
Hannibalismus
Hannibal hat ohne Zagen
einst die Römer schwer geschlagen,
und akut war die Gefahr,
daß er Rom erobert gar!
Hannibal, der Epigone,
ist indessen auch nicht ohne,
haut er doch desgleichen drein,
namentlich aufs Nasenbein.
Und er drischt in Luxus-Suiten,
wo er pflegt, sich einzumieten,
Polizisten, Personal,
seine Frau – ihm ist’s egal.
Denn der Herr Papa, der feine,
bringt’s mit Leichtigkeit ins reine,
wenn der Sprößling was verbockt
und sein Taschengeld verzockt:
In Europas Kapitalen,
steht ja dank der roten Zahlen
heute fett im Pflichtenheft:
Erst kommt immer das Geschäft!
Auf Moral herumzureiten,
ist halt was für gute Zeiten,
denkt man drum in Rom, Paris
wie in London ohnedies.
Und man läßt nach weisem Plane
Hannibal samt Karawane
sicherlich auch fürderhin
unbehelligt weiterziehn.
Nur die Schweizer sind mit Bangen
einmal doch zu weit gegangen -
dafür haben sie, weiß Gott,
jetzt zum Schaden noch den Spott!
Pannonicus
9. Jänner 2009 – Folge 1/pghannib.doc
(Gaddafis fünfter Sohn „Hannibal“, der schon mehrmals im Ausland gewalttätig wurde, hat am Weihnachtstag 2009 im Londoner Nobelhotel Claridge seiner Frau das Nasenbein gebrochen, wurde aber wie in allen anderen Fällen nicht belangt. Einzig in Genf war er 2008 kurzfristig festgenommen worden – worauf sich Libyen an Schweizer Bürgern rächte.)
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