Herr Prof. J.G. Simmerstätter hat den folgenden Leserbrief an
Christoph Leitl, Kleine Zeitung, Rupertusblatt, Vorarlberger Nachrichten, Horizont 3000,
Rundschau, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Werkstatt Frieden & Solidarität,
geschrieben.
Er ist auch hier zu lesen:
Verlangt Gerechtigkeit unbedingt Gleichheit?
Unser Wirtschaftsminister will bundesweit ein einheitliches Jugendschutzgesetz erreichen.
Da hat er bestimmt den Gleichheitsgrundsatz vor Augen, der in der Verfassung festgeschrieben ist.
Bedenkt er auch, dass die Lebensumstände und –gewohnheiten in Wien und z.B. in Vorarlberg oder Waldviertel etc. nicht die gleichen sind?
Das Jugendschutzgesetz ist zweifelsfrei zum Schutz der Jugend da. Nonanöt!
Wovor soll die Jugend geschützt werden?
Ich nehme als wohl schlimmstes Beispiel das Komasaufen.
Je früher die jungen Leute – fast noch Kinder – von der elterlichen Obhut in die „Freiheit“ entlassen werden, desto leichter erliegen sie solchen Gefahren.
In Wien vielleicht schon mit 12 oder 13 Jahren.
In Städten ist es erfahrungsgemäß weitaus schwieriger, die Kinder länger in der elterlichen Obsorge zu halten als auf dem Land.
Wenn dies meinetwegen in Vorarlberg (oder wo immer) länger möglich ist, so wird man das doch nicht bedauern, sondern wohl eher unterstützen.
Und wenn schon das Gesetz bundeseinheitlich sein soll,
dann müsste man doch danach trachten, die Jugendlichen auch in Wien länger von diesen Gefahren fern zu halten.
Aber:
Muss denn alles, Stadt und Land, Jung und Alt, Arm und Reich, Männlich und Weiblich usw. unter allen Umständen gleich gemacht werden?
Geht ja gar nicht.
Die totale Gleichmacherein ist ein Hirngespinst und auch juristisch ein Trugschluss.
Die Menschen sind nicht alle gleich und sie gleich machen zu wollen, ist nur durch Zwangsmaßnahmen überhaupt denkbar.
Das haben die alten Griechen schon erkannt, das zeigt sich in der Sage vom Prokrustesbett.
Wer für das Bett des Prokrustes zu kurz war, wurde gestreckt, wer zu lang war, der wurde gekürzt.
So einfach geht das!
Die alten Römer sagten: „Suum cuique“ –Jedem das Seine oder Jedem das, was ihm gemäß ist.
Nach allgemeiner Einschätzung neigen eher Sozialisten zur Gleichmacherei, aber unser Wirtschaftsminister wäre ja schwarz…?.
Außerdem:
Für alle gleich muss ja nicht heißen, für alle gleich gut, sondern kann leider sehr leicht heißen: für alle gleich schlecht!
Eine boshafte Bemerkung erlaube ich mir: Wenn schon “alle gleich“,
dann könnte gerade der Wirtschaftsminister dafür sorgen,
dass alle gleich viel Geld zur Verfügung bekämen, das würde den Konsum ankurbeln.
Daran denkt er wohl nicht?!
Prof. J. Georg Simmerstätter
Unholzen 23
6320 Angerberg
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