AK-Hetze gegen Teilzeitarbeit der Mütter
Posted: 10.12.2020, 20:13
Große AK Niederösterreich-Studie: Teilzeitarbeit bei Frauen ist nicht freiwillig
Präsident Wieser: 75 Prozent mussten Stunden im Beruf wegen Kinderbetreuungspflichten reduzieren/Mehr Betreuungschancen und faire Löhne gefordert.
St. Pölten (OTS) - Frauen wählen Teilzeitarbeit nicht freiwillig, entgegen hartnäckig verbreiteten Meinungen. Vielmehr lässt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oftmals nicht mehr Stunden im Beruf zu. Eine neue Studie von L&R Sozialforschung im Auftrag der AK Niederösterreich unter 1.753 teilzeitbeschäftigten Frauen und Männern in Niederösterreich zeigt auf, dass 75 Prozent der Frauen aufgrund von Kinderbetreuungspflichten die Arbeitszeit reduziert haben. Das bringt viele Nachteile, vom Einkommen über fehlende Weiterbildung und geringere Aufstiegschancen bis hin zur Pensionshöhe, die bei Frauen im Durchschnitt um 43 Prozent geringer ist als bei Männern. „Ein Ausbau der Kinderbetreuung, faire Löhne und bessere Weiterbildungsmöglichkeiten sind daher besonders wichtig“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.
Etwa 50 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach – Tendenz steigend. 60 Prozent der Beschäftigten im Handel und in den Gesundheitsberufen arbeiten Teilzeit. Die durchschnittliche Arbeitszeit der teilzeitbeschäftigten Frauen beträgt 21,7 Stunden. Die Hälfte der Befragten möchte über 30 Stunden arbeiten, so das Resultat der Studie „Wir haben gefragt, was die Frauen brauchen, um mehr Stunden arbeiten zu können“, so Birgit Schön, Leiterin der AK NÖ-Frauenpolitik. Am häufigsten genannt wird ein besseres Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Auch die Aufteilung der unbezahlten privaten Arbeiten ist ein Faktor.
„Wenn Beschäftigte ihre Arbeitszeit aufstocken wollen, dann müssen dazu auch alle Rahmenbedingungen und Möglichkeiten vorhanden sein“, so Wieser. Neben fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten ist auch der Arbeitsdruck ein wesentlicher Faktor. Das betrifft zum Beispiel Beschäftigte in den Gesundheitsberufen, wo noch dazu angesichts COVID-19 seit Monaten ein erheblicher Mehraufwand herrscht.
Teilzeitarbeit bedeutet weniger Einkommen und damit bedeutende Nachteile bei Pension, Krankheit und Arbeitslosigkeit. Die Hälfte der befragten Arbeitnehmerinnen leistet regelmäßig Mehrstunden. 72 Prozent jedoch bekommen dafür nur Zeitausgleich. Lediglich jede Zehnte erhält diese Mehrleistung korrekt mit Zuschlägen ausbezahlt, so die Studienresultate. Auch Aufstiegschancen werden durch Teilzeitarbeit geschmälert, ebenso die Chancen auf Weiterbildung. Fast ein Drittel (31 Prozent) der Frauen gibt an, dass sich ihre Position oder Tätigkeit durch die Teilzeitbeschäftigung verschlechtert hat.
Betriebe fördern Teilzeit, weil es ihnen einseitig viele Vorteile bringt: Auftragsspitzen können flexibler abgedeckt werden. Ausfälle wegen Krankheit werden kompensiert, indem Dienstpläne kurzfristig abgeändert und verschoben werden.
„Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kann Teilzeit eine sinnvolle Option sein, wenn sie freiwillig gewählt ist. Aber die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden. Hier sind daher auch die Unternehmen und Gesetzgeber in die Pflicht zu nehmen“, so Wieser. Wesentlich dabei sind: faire Löhne, ein Ausbau der Kinderbetreuung und verbesserte Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Link zur gesamten Studie: https://noe.arbeiterkammer.at/teilzeitstudie
Rückfragen & Kontakt:
Gernot Buchegger MA,
Pressesprecher des Präsidenten
Arbeiterkammer Niederösterreich
T 05 7171-21 121 bzw. 06648134801
[email protected]
===============================================================================================
Antworten, Stellungnahmen:
Alexander Pachta-Reyhofen
Liebe Familiennetzwerker,
Wenn Kinderbetreuung als nicht freiwillige Tätigkeit von Eltern
seitens der Arbeiterkammer gesehen wird , dann frage ich mich jetzt
schon, welches Familienverständnis diese Damen und Herren haben.
Kinder zu haben, diese zu erziehen, mit ihnen zu spielen oder ihnen zu
helfen bei den Hausaufgaben oder überhaupt ihr junges Leben zu
meistern ist doch keine unfreiwillige Arbeit.
Welch ein Missverständnis des Erwerbsarbeitsbegriffes. Wenn eine
Mutter Teilzeitarbeit wählt, weil sie auch die Kinder beim Aufwachsen
erleben will und nicht von professionellen, womöglich noch staatlichen
Organen erziehen lassen will, dann ist das eine freie Wahl zwischen
Kindern und Karriere und nur lebhaft zu begrüssen. Denn Erziehung
durch die Eltern ist immer noch besser, als durch staatliche Organe.
Welch ein Missverständnis ihrer eigen Situation als Kammer mit
Zwangsmitgliedschaft. Die negative Haltung der Arbeiterkammer zu
Familien mit Kindern wird durch diese Aussendung wieder einmal unter
Beweis gestellt. Es wird Zeit, die Mitgliedschaft in der
Arbeiterkammer nur als freiwillige Entscheidung der Arbeitnehmer zu
fordern. Zwangsmitglieder wollen wir in einer derartig gepolten
Kammer nicht bleiben. Also wenn die Arbeiterkammer sich schon über
Freiwilligkeit sorgt, dann soll sie vor ihrer eigene Türe kehren und
die Zwangsmitgliedschaft der Arbeitnehmer beenden.
Frau Renate Schinner:
Betreff: Ihre AK Niederösterreich-Studie bzgl. Teilzeitarbeit bei Frauen ist nicht freiwillig
Sehr geehrter Herr Präsident Wieser,
sehr geehrter Herr Buchegger,
Ihrer Pressemittelung muss ich schon sehr widersprechen, allein der Titel schreckt ab und vermittelt ein Bild, das die Leistung einer Mutter nicht gerade attraktiv macht.
Selbstverständlich ist es meine eigene freiwillige Entscheidung, dass ich meine Kinder beim Aufwachsen erleben will. Nur das gibt ihnen die emotionale Sicherheit, auf der sie später im Leben aufbauen (Stichwort Bindung). Das sagt einerseits der Hausverstand, andererseits namhafte Kinder- und Jugendpsychologen. Ich ersuche Sie, sich mit den psychischen Langzeitauswirkungen von "abgegebenen/outgesourcten" Kindern dringend zu befassen.
Diese Wahl zwischen Karriere und Kindern haben mein Mann und ich gemeinsam zu Gunsten der Kinder aus freien Stücken getroffen. Zuvor war ich 15 Jahre Vorstandsassistentin im Strabag-Baukonzern, davon die letzten 8 Jahre direkt als vertretende Assistentin bei Dr. Haselsteiner. Eine sehr angesehene Arbeit. Dennoch war mir die Erziehungsarbeit wichtiger! (Meine Kinder sind jetzt 9 und 8 Jahre alt). Daher musste dann nach entsprechender Zeit eine geringfügige Beschäftigung ausreichen und bin ich sehr dankbar für die Teilzeitmöglichkeit.
Es ist traurig für mich, dass die Arbeiterkammer den Begriff der Erwerbstätigkeit völlig zu Ungunsten der Mütter einsetzt. Ich fühle mich in der Erziehungsleistung von Ihnen nicht vertreten, obwohl ich ein AK-Mitglied bin.
Ich ersuche Sie um eine wertschätzende und angemessene Mütterpolitik, sowohl in der Kommunikation als auch in der monetären Unterstützung.
Meine Stellungnahme
Zitat: " welches Familienverständnis diese Damen und Herren haben."
Ganz einfach - marxistisch, also Männer und Frauen sind vollkommen gleichgestellt und arbeiten Vollzeit.
Um die Kinder kümmert sich der Staat (der kann das besser).
Ich habe das vor einigen Jahren so festgestellt, daran hat sich nichts geändert, nur dass inzwischen auch die ÖVP in diese Richtung arbeitet.
Verstaatlichung der Kinder - wehrt Euch!
viewtopic.php?f=1&t=13&sid=19ca12258537 ... 1dcc5376b0
Johannes Resch, Verband Familienarbeit, www.familienarbeit-heute.de
Sicher haben Sie Recht, dass es der marxistischen Ideologie entspringt, alle Eltern in Vollerwerbstätigkeit zu bringen, um sowohl die Eltern als auch die Kinder besser unter Kontrolle zu bringen.
Leider sind inzwischen auch die "Kapitalisten" auf die Idee gekommen, dass sie auf diesem Wege durch Erhöhung des Arbeitskräfteangebots die Löhne drücken und die Profite erhöhen können. So ziehen die Marxisten und die Kapitalisten in dieser Beziehung heute an einem Strang. Zumindest gilt das für Deutschland und vermutlich auch für Österreich. Hier liegt wohl auch der Grund, warum ursprünglich konservative und linke Parteien sich zumindest familienpolitisch einander angeglichen haben.
Zum gleichen Thema eine Stellungnahme unseres Verbandes als Anlage:
Offener Brief an:
Deutscher Frauenrat, z. Hd. Frau Josefine Paul, Axel-Springer-Str. 54a, 10117 Berlin
Sehr geehrte Frau Paul,
mit diesem Schreiben beziehen wir uns auf die „Positionierung des Deutschen Frauenrats für
Menschenrechte und Demokratie“ vom 09.11.2020, die Sie als Vorstandsmitglied des Deutschen
Frauenrats (DF) für diesen abgegeben haben. Diese Erklärung richtet sich gegen “rechtspopulistische
und rechtsextremistische Kräfte, die unsere Demokratie unterwandern“. Davon betroffen seien
„besonders auch Akteur*innen, die sich für Gleichstellung und Frauenpolitik stark machen“. Wörtlich:
„Frauenpolitische Maßnahmen werden diffamiert, Frauen- und Geschlechterforschung wird kategorisch
abgelehnt, reaktionäre Frauen- und Familienbilder werden verbreitet und instrumentalisiert.“. In einem
ergänzenden Appell kündigt der DF an, sein Engagement für eine „vielfältige, demokratische und
solidarische Gesellschaft zu verstärken“, „antifeministischen, antisemitischen, antimuslimischen,
neofaschistischen und rassistischen Tendenzen entschieden entgegen(zu)treten“ sowie „für eine
progressive Gleichstellungspolitik und einen zeitgemäßen Familienbegriff (zu) werben“.
Der Vorstand des Verband Familienarbeit e.V., wendet sich nun mit diesem offenen Brief an den
Deutschen Frauenrat um zu erfahren, wo er nach dessen Beurteilung sein familienpolitisches
Engagement für „die Förderung der eigenständigen finanziellen und sozialen Sicherung bei
Familienarbeit“ in diesem so umrissenen frauen- und gesellschaftspolitischen Tableau zu verorten hat.
In den 80ern des letzten Jahrhunderts, seinen Gründungsjahren, hat der Verband Familienarbeit e.V.
(damals noch unter dem Namen Deutsche Hausfrauengewerkschaft – DHG) zweimal einen
Aufnahmeantrag an den DF gerichtet, der jeweils ohne Begründung abgelehnt wurde. Diese Ablehnung
war aus unserer heutigen Sicht nicht weiter bedauerlich, sondern eher logisch, weil sich der DF
zunehmend als Lobby einer Frauen- und Familienpolitik aufspielt, die alles andere als „vielfältig,
demokratisch und solidarisch“, geschweige denn zukunftsfähig ist. Frauen, die zugunsten einer
verantwortungsbewussten Erziehung eigener Kinder für kürzere oder längere Zeit auf Erwerbsarbeit
verzichten und damit die Grundlage schaffen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft schlechthin,
sollen sich als „rückwärtsgewandt“ begreifen. Das naturgegebene Familienbild von Mutter, Vater,
Kinder wird als „reaktionär“ diffamiert und in den Dunstkreis der Rechtslastigkeit gestellt (übrigens
auch in Antihaltung zu dem Familienbild, das viele, vor allem muslimische Neubürger*innen aus ihrer
Herkunftskultur mitbringen).
Frage: Was soll unter einem „zeitgemäßen Familienbegriff“ verstanden werden?
• Ist es die Familie, in der - um ein auskömmliches Familieneinkommen zu erwirtschaften – beide
Elternteile in Vollzeit erwerbstätig sein müssen, während ihre Kinder ab dem 1. Geburtstag
entsprechend umfänglich in Fremdbetreuung gegeben werden, ungeachtet der Folgen, vor denen
Entwicklungsforscher und Kinderpsychologen unüberhörbar warnen?
• Ist es die Familie, in der ein alleinerziehender Elternteil mit den Kindern am Existenzminimum
vegetiert, weil die Politik sich permanent weigert, die elterliche Erziehungsarbeit als eine
lohnwerte, gesellschaftlich unentbehrliche Leistung anzuerkennen und entsprechend zu
honorieren? Auch für diese alleinerziehenden Eltern hat der Tag nur 24 Stunden, in denen es an
Zeit, Kraft und Zuwendung für die Kinder zwangsläufig mangelt.
• Ist es die Familie, in der der „moderne“ Vater den Großteil der Familienarbeit samt den
damit verbundenen Diffamierungen übernimmt? Wie realistisch ist es, auf dieser
Grundlage eine Mehrheit der Männer für diesen Rollenwechsel gewinnen zu wollen?
• Ist es die „Familie“, in der beide Partner bewusst auf Nachwuchs verzichten, damit beide
ungeschmälert in den Genuss der „progressiven Gleichstellungspolitik“ des DF kommen?
• Wie ist es mit Art. 3 (2) GG zu vereinbaren, wenn Mütter vom Gleichberechtigungsanspruch
der Frauen praktisch ausgeschlossen werden, weil sie überwiegend die Erziehungsarbeit
übernehmen und das oft auch selbst wollen?
• Wie ist zu rechtfertigen, dass die Familienpolitik und auch die Agenda des DF sich zunehmend
über Art. 6.2 unseres Grundgesetzes hinwegsetzen, der die Pflege und Erziehung der Kinder als
„das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ festschreibt? Wie
also ist der millionenschwere, einseitige Ausbau der Fremdbetreuung zu rechtfertigen, wenn
kein adäquater finanzieller Ausgleich für die in den Familien geleistete Erziehungsarbeit
gewährt wird?
Oder anders gefragt: Was sollen die Merkmale einer Frauenpolitik sein, die dieses Attribut verdient?
• Begnügt sich ein ehrenwerter Feminismus damit, die Frauen den Männern gleichzustellen, so,
als hätten sie dieselben Neigungen, Begabungen und Bedürfnisse, und so, als bestünde das
Leben nur aus der selbstverständlich gleich zu entlohnenden Erwerbsarbeit?
• Begnügt er sich weiterhin mit einer Gleichstellungspolitik „für alle“, aber unter Ausschluss der
Mütter, die den Vorgaben des DF nicht folgen wollen. anstatt sich einzusetzen für eine
gleichberechtigende Politik der Vielfalt, in der auch die „Hausfrau und Mutter“ ihren
anerkannten Platz hat?
• Welche Institution darf sich anmaßen, den Begriff „partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbsund Familienarbeit“ verbindlich als eine 50:50-Beteiligung zu definieren, unter Ausschluss der
freien Absprache der Partner nach Maßgabe ihrer persönlichen Verhältnisse und der jeweils
speziellen Familienkonstellation?
• Wer darf sich anmaßen, die Väter z. B. durch immer neue „Reformen“ des Elterngeldgesetzes
dahingehend zu gängeln, im Dienste einer wirklichkeitsfremden Ideologie verstärkt in die
Familienarbeit einzusteigen, auch wenn ihr Wechsel in die Elternzeit das Familieneinkommen
in der Summe schmälert? Einkommensschwache Familien können sich Vätermonate nicht
leisten, wohlhabende Eltern nutzen sie gerne zu ausgedehnten Reisen. Wo bleibt da die
Gerechtigkeit?
• Warum kann eine Frauen- und Familienministerin Giffey glänzen, indem sie – als handle sie mit
optimal auspressbaren Zitronen - stolz verkündet, dass „das Erwerbsvolumen von Müttern um
1,5 Milliarden Stunden p.a. zugenommen“ hat? Warum warnt sie Frauen vor Teilzeitarbeit?
Wäre es nicht vielmehr ihre Aufgabe, sich endlich dafür einzusetzen, dass Eltern, die zugunsten
der Erziehung ihrer Kinder in Teilzeit erwerbstätig sind, für den anderen Teil ihrer Tätigkeit,
nämlich für die Familienarbeit Anerkennung und Lohn erhalten?
Im Übrigen verwahren wir uns dagegen, traditionelle Familienwerte wie Liebe und Sorge der Eltern für
ihre Kinder in die Nähe „rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Kräfte“ zu rücken. Wir sehen
unsererseits die demokratische Grundordnung gefährdet, wenn die im Grundgesetz verankerten Rechte
der Eltern und damit indirekt auch die Rechte der Kinder durch staatliche Bevormundung immer weiter
untergraben werden.
Im Namen unserer Mitglieder fordern wir den Vorstand des Deutschen Frauenrats auf, seine
populistische, mütter- und zukunftsfeindliche Einstellung zu überdenken und sich mit unseren
Argumenten und Fragen ernsthaft zu befassen,
Bitte senden Sie mir eine Eingangsbestätigung, die gern per E-Mail erfolgen kann.
===============================================================================================
Siehe auch:
Verstaatlichung der Kinder
Familie und mehr
Präsident Wieser: 75 Prozent mussten Stunden im Beruf wegen Kinderbetreuungspflichten reduzieren/Mehr Betreuungschancen und faire Löhne gefordert.
St. Pölten (OTS) - Frauen wählen Teilzeitarbeit nicht freiwillig, entgegen hartnäckig verbreiteten Meinungen. Vielmehr lässt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oftmals nicht mehr Stunden im Beruf zu. Eine neue Studie von L&R Sozialforschung im Auftrag der AK Niederösterreich unter 1.753 teilzeitbeschäftigten Frauen und Männern in Niederösterreich zeigt auf, dass 75 Prozent der Frauen aufgrund von Kinderbetreuungspflichten die Arbeitszeit reduziert haben. Das bringt viele Nachteile, vom Einkommen über fehlende Weiterbildung und geringere Aufstiegschancen bis hin zur Pensionshöhe, die bei Frauen im Durchschnitt um 43 Prozent geringer ist als bei Männern. „Ein Ausbau der Kinderbetreuung, faire Löhne und bessere Weiterbildungsmöglichkeiten sind daher besonders wichtig“, so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser.
Etwa 50 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach – Tendenz steigend. 60 Prozent der Beschäftigten im Handel und in den Gesundheitsberufen arbeiten Teilzeit. Die durchschnittliche Arbeitszeit der teilzeitbeschäftigten Frauen beträgt 21,7 Stunden. Die Hälfte der Befragten möchte über 30 Stunden arbeiten, so das Resultat der Studie „Wir haben gefragt, was die Frauen brauchen, um mehr Stunden arbeiten zu können“, so Birgit Schön, Leiterin der AK NÖ-Frauenpolitik. Am häufigsten genannt wird ein besseres Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Auch die Aufteilung der unbezahlten privaten Arbeiten ist ein Faktor.
„Wenn Beschäftigte ihre Arbeitszeit aufstocken wollen, dann müssen dazu auch alle Rahmenbedingungen und Möglichkeiten vorhanden sein“, so Wieser. Neben fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten ist auch der Arbeitsdruck ein wesentlicher Faktor. Das betrifft zum Beispiel Beschäftigte in den Gesundheitsberufen, wo noch dazu angesichts COVID-19 seit Monaten ein erheblicher Mehraufwand herrscht.
Teilzeitarbeit bedeutet weniger Einkommen und damit bedeutende Nachteile bei Pension, Krankheit und Arbeitslosigkeit. Die Hälfte der befragten Arbeitnehmerinnen leistet regelmäßig Mehrstunden. 72 Prozent jedoch bekommen dafür nur Zeitausgleich. Lediglich jede Zehnte erhält diese Mehrleistung korrekt mit Zuschlägen ausbezahlt, so die Studienresultate. Auch Aufstiegschancen werden durch Teilzeitarbeit geschmälert, ebenso die Chancen auf Weiterbildung. Fast ein Drittel (31 Prozent) der Frauen gibt an, dass sich ihre Position oder Tätigkeit durch die Teilzeitbeschäftigung verschlechtert hat.
Betriebe fördern Teilzeit, weil es ihnen einseitig viele Vorteile bringt: Auftragsspitzen können flexibler abgedeckt werden. Ausfälle wegen Krankheit werden kompensiert, indem Dienstpläne kurzfristig abgeändert und verschoben werden.
„Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kann Teilzeit eine sinnvolle Option sein, wenn sie freiwillig gewählt ist. Aber die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden. Hier sind daher auch die Unternehmen und Gesetzgeber in die Pflicht zu nehmen“, so Wieser. Wesentlich dabei sind: faire Löhne, ein Ausbau der Kinderbetreuung und verbesserte Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Link zur gesamten Studie: https://noe.arbeiterkammer.at/teilzeitstudie
Rückfragen & Kontakt:
Gernot Buchegger MA,
Pressesprecher des Präsidenten
Arbeiterkammer Niederösterreich
T 05 7171-21 121 bzw. 06648134801
[email protected]
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Antworten, Stellungnahmen:
Alexander Pachta-Reyhofen
Liebe Familiennetzwerker,
Wenn Kinderbetreuung als nicht freiwillige Tätigkeit von Eltern
seitens der Arbeiterkammer gesehen wird , dann frage ich mich jetzt
schon, welches Familienverständnis diese Damen und Herren haben.
Kinder zu haben, diese zu erziehen, mit ihnen zu spielen oder ihnen zu
helfen bei den Hausaufgaben oder überhaupt ihr junges Leben zu
meistern ist doch keine unfreiwillige Arbeit.
Welch ein Missverständnis des Erwerbsarbeitsbegriffes. Wenn eine
Mutter Teilzeitarbeit wählt, weil sie auch die Kinder beim Aufwachsen
erleben will und nicht von professionellen, womöglich noch staatlichen
Organen erziehen lassen will, dann ist das eine freie Wahl zwischen
Kindern und Karriere und nur lebhaft zu begrüssen. Denn Erziehung
durch die Eltern ist immer noch besser, als durch staatliche Organe.
Welch ein Missverständnis ihrer eigen Situation als Kammer mit
Zwangsmitgliedschaft. Die negative Haltung der Arbeiterkammer zu
Familien mit Kindern wird durch diese Aussendung wieder einmal unter
Beweis gestellt. Es wird Zeit, die Mitgliedschaft in der
Arbeiterkammer nur als freiwillige Entscheidung der Arbeitnehmer zu
fordern. Zwangsmitglieder wollen wir in einer derartig gepolten
Kammer nicht bleiben. Also wenn die Arbeiterkammer sich schon über
Freiwilligkeit sorgt, dann soll sie vor ihrer eigene Türe kehren und
die Zwangsmitgliedschaft der Arbeitnehmer beenden.
Frau Renate Schinner:
Betreff: Ihre AK Niederösterreich-Studie bzgl. Teilzeitarbeit bei Frauen ist nicht freiwillig
Sehr geehrter Herr Präsident Wieser,
sehr geehrter Herr Buchegger,
Ihrer Pressemittelung muss ich schon sehr widersprechen, allein der Titel schreckt ab und vermittelt ein Bild, das die Leistung einer Mutter nicht gerade attraktiv macht.
Selbstverständlich ist es meine eigene freiwillige Entscheidung, dass ich meine Kinder beim Aufwachsen erleben will. Nur das gibt ihnen die emotionale Sicherheit, auf der sie später im Leben aufbauen (Stichwort Bindung). Das sagt einerseits der Hausverstand, andererseits namhafte Kinder- und Jugendpsychologen. Ich ersuche Sie, sich mit den psychischen Langzeitauswirkungen von "abgegebenen/outgesourcten" Kindern dringend zu befassen.
Diese Wahl zwischen Karriere und Kindern haben mein Mann und ich gemeinsam zu Gunsten der Kinder aus freien Stücken getroffen. Zuvor war ich 15 Jahre Vorstandsassistentin im Strabag-Baukonzern, davon die letzten 8 Jahre direkt als vertretende Assistentin bei Dr. Haselsteiner. Eine sehr angesehene Arbeit. Dennoch war mir die Erziehungsarbeit wichtiger! (Meine Kinder sind jetzt 9 und 8 Jahre alt). Daher musste dann nach entsprechender Zeit eine geringfügige Beschäftigung ausreichen und bin ich sehr dankbar für die Teilzeitmöglichkeit.
Es ist traurig für mich, dass die Arbeiterkammer den Begriff der Erwerbstätigkeit völlig zu Ungunsten der Mütter einsetzt. Ich fühle mich in der Erziehungsleistung von Ihnen nicht vertreten, obwohl ich ein AK-Mitglied bin.
Ich ersuche Sie um eine wertschätzende und angemessene Mütterpolitik, sowohl in der Kommunikation als auch in der monetären Unterstützung.
Meine Stellungnahme
Zitat: " welches Familienverständnis diese Damen und Herren haben."
Ganz einfach - marxistisch, also Männer und Frauen sind vollkommen gleichgestellt und arbeiten Vollzeit.
Um die Kinder kümmert sich der Staat (der kann das besser).
Ich habe das vor einigen Jahren so festgestellt, daran hat sich nichts geändert, nur dass inzwischen auch die ÖVP in diese Richtung arbeitet.
Verstaatlichung der Kinder - wehrt Euch!
viewtopic.php?f=1&t=13&sid=19ca12258537 ... 1dcc5376b0
Johannes Resch, Verband Familienarbeit, www.familienarbeit-heute.de
Sicher haben Sie Recht, dass es der marxistischen Ideologie entspringt, alle Eltern in Vollerwerbstätigkeit zu bringen, um sowohl die Eltern als auch die Kinder besser unter Kontrolle zu bringen.
Leider sind inzwischen auch die "Kapitalisten" auf die Idee gekommen, dass sie auf diesem Wege durch Erhöhung des Arbeitskräfteangebots die Löhne drücken und die Profite erhöhen können. So ziehen die Marxisten und die Kapitalisten in dieser Beziehung heute an einem Strang. Zumindest gilt das für Deutschland und vermutlich auch für Österreich. Hier liegt wohl auch der Grund, warum ursprünglich konservative und linke Parteien sich zumindest familienpolitisch einander angeglichen haben.
Zum gleichen Thema eine Stellungnahme unseres Verbandes als Anlage:
Offener Brief an:
Deutscher Frauenrat, z. Hd. Frau Josefine Paul, Axel-Springer-Str. 54a, 10117 Berlin
Sehr geehrte Frau Paul,
mit diesem Schreiben beziehen wir uns auf die „Positionierung des Deutschen Frauenrats für
Menschenrechte und Demokratie“ vom 09.11.2020, die Sie als Vorstandsmitglied des Deutschen
Frauenrats (DF) für diesen abgegeben haben. Diese Erklärung richtet sich gegen “rechtspopulistische
und rechtsextremistische Kräfte, die unsere Demokratie unterwandern“. Davon betroffen seien
„besonders auch Akteur*innen, die sich für Gleichstellung und Frauenpolitik stark machen“. Wörtlich:
„Frauenpolitische Maßnahmen werden diffamiert, Frauen- und Geschlechterforschung wird kategorisch
abgelehnt, reaktionäre Frauen- und Familienbilder werden verbreitet und instrumentalisiert.“. In einem
ergänzenden Appell kündigt der DF an, sein Engagement für eine „vielfältige, demokratische und
solidarische Gesellschaft zu verstärken“, „antifeministischen, antisemitischen, antimuslimischen,
neofaschistischen und rassistischen Tendenzen entschieden entgegen(zu)treten“ sowie „für eine
progressive Gleichstellungspolitik und einen zeitgemäßen Familienbegriff (zu) werben“.
Der Vorstand des Verband Familienarbeit e.V., wendet sich nun mit diesem offenen Brief an den
Deutschen Frauenrat um zu erfahren, wo er nach dessen Beurteilung sein familienpolitisches
Engagement für „die Förderung der eigenständigen finanziellen und sozialen Sicherung bei
Familienarbeit“ in diesem so umrissenen frauen- und gesellschaftspolitischen Tableau zu verorten hat.
In den 80ern des letzten Jahrhunderts, seinen Gründungsjahren, hat der Verband Familienarbeit e.V.
(damals noch unter dem Namen Deutsche Hausfrauengewerkschaft – DHG) zweimal einen
Aufnahmeantrag an den DF gerichtet, der jeweils ohne Begründung abgelehnt wurde. Diese Ablehnung
war aus unserer heutigen Sicht nicht weiter bedauerlich, sondern eher logisch, weil sich der DF
zunehmend als Lobby einer Frauen- und Familienpolitik aufspielt, die alles andere als „vielfältig,
demokratisch und solidarisch“, geschweige denn zukunftsfähig ist. Frauen, die zugunsten einer
verantwortungsbewussten Erziehung eigener Kinder für kürzere oder längere Zeit auf Erwerbsarbeit
verzichten und damit die Grundlage schaffen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft schlechthin,
sollen sich als „rückwärtsgewandt“ begreifen. Das naturgegebene Familienbild von Mutter, Vater,
Kinder wird als „reaktionär“ diffamiert und in den Dunstkreis der Rechtslastigkeit gestellt (übrigens
auch in Antihaltung zu dem Familienbild, das viele, vor allem muslimische Neubürger*innen aus ihrer
Herkunftskultur mitbringen).
Frage: Was soll unter einem „zeitgemäßen Familienbegriff“ verstanden werden?
• Ist es die Familie, in der - um ein auskömmliches Familieneinkommen zu erwirtschaften – beide
Elternteile in Vollzeit erwerbstätig sein müssen, während ihre Kinder ab dem 1. Geburtstag
entsprechend umfänglich in Fremdbetreuung gegeben werden, ungeachtet der Folgen, vor denen
Entwicklungsforscher und Kinderpsychologen unüberhörbar warnen?
• Ist es die Familie, in der ein alleinerziehender Elternteil mit den Kindern am Existenzminimum
vegetiert, weil die Politik sich permanent weigert, die elterliche Erziehungsarbeit als eine
lohnwerte, gesellschaftlich unentbehrliche Leistung anzuerkennen und entsprechend zu
honorieren? Auch für diese alleinerziehenden Eltern hat der Tag nur 24 Stunden, in denen es an
Zeit, Kraft und Zuwendung für die Kinder zwangsläufig mangelt.
• Ist es die Familie, in der der „moderne“ Vater den Großteil der Familienarbeit samt den
damit verbundenen Diffamierungen übernimmt? Wie realistisch ist es, auf dieser
Grundlage eine Mehrheit der Männer für diesen Rollenwechsel gewinnen zu wollen?
• Ist es die „Familie“, in der beide Partner bewusst auf Nachwuchs verzichten, damit beide
ungeschmälert in den Genuss der „progressiven Gleichstellungspolitik“ des DF kommen?
• Wie ist es mit Art. 3 (2) GG zu vereinbaren, wenn Mütter vom Gleichberechtigungsanspruch
der Frauen praktisch ausgeschlossen werden, weil sie überwiegend die Erziehungsarbeit
übernehmen und das oft auch selbst wollen?
• Wie ist zu rechtfertigen, dass die Familienpolitik und auch die Agenda des DF sich zunehmend
über Art. 6.2 unseres Grundgesetzes hinwegsetzen, der die Pflege und Erziehung der Kinder als
„das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“ festschreibt? Wie
also ist der millionenschwere, einseitige Ausbau der Fremdbetreuung zu rechtfertigen, wenn
kein adäquater finanzieller Ausgleich für die in den Familien geleistete Erziehungsarbeit
gewährt wird?
Oder anders gefragt: Was sollen die Merkmale einer Frauenpolitik sein, die dieses Attribut verdient?
• Begnügt sich ein ehrenwerter Feminismus damit, die Frauen den Männern gleichzustellen, so,
als hätten sie dieselben Neigungen, Begabungen und Bedürfnisse, und so, als bestünde das
Leben nur aus der selbstverständlich gleich zu entlohnenden Erwerbsarbeit?
• Begnügt er sich weiterhin mit einer Gleichstellungspolitik „für alle“, aber unter Ausschluss der
Mütter, die den Vorgaben des DF nicht folgen wollen. anstatt sich einzusetzen für eine
gleichberechtigende Politik der Vielfalt, in der auch die „Hausfrau und Mutter“ ihren
anerkannten Platz hat?
• Welche Institution darf sich anmaßen, den Begriff „partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbsund Familienarbeit“ verbindlich als eine 50:50-Beteiligung zu definieren, unter Ausschluss der
freien Absprache der Partner nach Maßgabe ihrer persönlichen Verhältnisse und der jeweils
speziellen Familienkonstellation?
• Wer darf sich anmaßen, die Väter z. B. durch immer neue „Reformen“ des Elterngeldgesetzes
dahingehend zu gängeln, im Dienste einer wirklichkeitsfremden Ideologie verstärkt in die
Familienarbeit einzusteigen, auch wenn ihr Wechsel in die Elternzeit das Familieneinkommen
in der Summe schmälert? Einkommensschwache Familien können sich Vätermonate nicht
leisten, wohlhabende Eltern nutzen sie gerne zu ausgedehnten Reisen. Wo bleibt da die
Gerechtigkeit?
• Warum kann eine Frauen- und Familienministerin Giffey glänzen, indem sie – als handle sie mit
optimal auspressbaren Zitronen - stolz verkündet, dass „das Erwerbsvolumen von Müttern um
1,5 Milliarden Stunden p.a. zugenommen“ hat? Warum warnt sie Frauen vor Teilzeitarbeit?
Wäre es nicht vielmehr ihre Aufgabe, sich endlich dafür einzusetzen, dass Eltern, die zugunsten
der Erziehung ihrer Kinder in Teilzeit erwerbstätig sind, für den anderen Teil ihrer Tätigkeit,
nämlich für die Familienarbeit Anerkennung und Lohn erhalten?
Im Übrigen verwahren wir uns dagegen, traditionelle Familienwerte wie Liebe und Sorge der Eltern für
ihre Kinder in die Nähe „rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Kräfte“ zu rücken. Wir sehen
unsererseits die demokratische Grundordnung gefährdet, wenn die im Grundgesetz verankerten Rechte
der Eltern und damit indirekt auch die Rechte der Kinder durch staatliche Bevormundung immer weiter
untergraben werden.
Im Namen unserer Mitglieder fordern wir den Vorstand des Deutschen Frauenrats auf, seine
populistische, mütter- und zukunftsfeindliche Einstellung zu überdenken und sich mit unseren
Argumenten und Fragen ernsthaft zu befassen,
Bitte senden Sie mir eine Eingangsbestätigung, die gern per E-Mail erfolgen kann.
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Siehe auch:
Verstaatlichung der Kinder
Familie und mehr