Wirtschaft und Familie - ein Leserbrief

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Wirtschaft und Familie - ein Leserbrief

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Wirtschaft und Familie, ein Leserbrief von Mag. Reinhard Potzinger
Zu Dr. Raidl, „Katholische Verlogenheit“



Sehr geehrter Herr Dr. Raidl!

Mit großem Erstaunen habe ich Ihre Stellungnahme bezüglich des ÖVP-Familienbildes vernommen. Ich halte Sie für einen hervorragenden Wirtschaftsfachmann, dem ich immer wieder mit Vergnügen bei Diskussionen zuhöre.

Als Pädagoge und Langzeitehemann mit zwei Kindern und mittlerweile drei Enkelkindern muß ich Ihrer aggressiven, antikirchlichen Haltung jedoch energisch widersprechen.

Aufgrund meiner 30-jährigen Tätigkeit als AHS-Lehrer weiß ich aus vielfältiger, leidvoller Erfahrung, daß plötzliche Schulprobleme bei Jugendlichen immer im Zusammenhang mit einer desolaten Familiensituation stehen.

Die funktionierende Familie mit Kindern, die möglichst lebenslange Bindung zwischen Mann und Frau gehören nicht ins Reich der Sozialromantik, sondern stellen jene Familienform dar, die dem Staat am meisten bringt und ihn am wenigsten kostet – müßte doch für einen Wirtschaftsmann auch interessant sein.

Patchworkfamilien sind weder modern noch erstrebenswert und sind immer Notgemeinschaften, denen viel Leid vorausgegangen ist. Ebenso sind Kinderkrippen immer nur die zweitbeste Lösung für Kleinstkinder (zumindest bis zum 3. Lebensjahr).

Die systematische Abwertung des Berufes „Mutter“ in den letzen 20 Jahren ist Ausdruck unserer kranken Gesellschaft, Diese Abwertung führt in den demografischen Kollaps.

Der Staat und die Wirtschaft müßten alles tun, junge Menschen zu eigenen Kindern zu ermuntern und ihnen auch echte Wahlfreiheit für deren Betreuung zu geben.
Ein Kinderkrippenplatz in Graz etwa kostet pro Kind und Monat bis zu 2.500,-- € (!) – die Eltern zahlen dafür ca. 100 €, den Rest berappt der Steuerzahler.
Diesen wirtschaftlich völlig absurden Zustand
würde ich (um in Ihrer Diktion zu bleiben) als verlogen bezeichnen.

:arrow: Mut zum Kind,
:arrow: hohe Bewertung von Elternkompetenz – das Gegenteil ist jetzt der Fall –
:arrow: und echte Abgeltung von Betreuungsarbeit für die eigenen (nicht fremden) Kinder
sind Gebote der Stunde, menschlich wie wirtschaftlich.

Wo bleibt die Generationenbalance, wenn man für die Pflege alter, betreuungsbedürftiger Menschen selbstverständlich und ohne Einkommensgrenzen Geldmittel bereitstellt und dies den ebenso betreuungsbedürftigen Kindern vorenthalten möchte?

Eine Konzentration auf Ihre ureigenste Domäne würde ich mir für die Zukunft wünschen, anstatt im negativen Zeitgeist mitschwimmend, dilettierend an die Öffentlichkeit zu gehen.

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Siehe auch:
ÖVP und ihr Familienbild - Sehnsucht oder Wirklichkeit
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