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Wohlstandsbaby – ein Gedicht
für meine Eltern
Ch.J.
Ich bin Euer Spielzeug fürs Wochenende
und für den Feierabend auch.
Seh ich in der Krippe die hellgrünen Wände,
sehn ich mich zurück in Mutters Bauch.
Da war doch soviel Wärme drin,
und im Krankenhaus gab es roomimg-in.
Jetzt gibt es nur noch rooming-out.
Ach, hätte ich Euch nie vertraut.
Nachts lieg ich im Glasbett im eigenen Zimmer.
Die Tage sind schlimm, doch die Nächte sind schlimmer.
Ihr seid zu zweit und ich bin allein,
geht abends oft aus und hört mich nicht schrein.
Ihr denkt, ich schlaf durch bis zum nächsten Morgen
und macht euch darum keine Sorgen,
denn wenn ihr zu Hause seid, schrei ich nicht mehr.
Ich tat es früher, das ist lange her.
Dann kamst erst Du, Mutter und dann kamst Du, Vater.
Erst der Tee und dann Worte: “Mach bloß kein Theater!”
War ich dann immer noch nicht still,
spracht Ihr im Chor: “Ich weiß nicht, was es will.
Es ist doch satt und ist auch trocken.
Es will uns nur zu sich rüber locken.”
Und fahrt Ihr in Urlaub, bin ich nicht dabei,
dann fahrt Ihr lieber allein, Ihr zwei.
Ihr lügt mich an, bevor Ihr startet,
wißt nicht, wie sehr Euer Kind auf Euch wartet.
Ich wollte Euch lieben und lerne Euch hassen.
Ihr sollt mich nicht immer alleine lassen.
Ihr denkt, Ihr hättet mich gemacht,
doch habt Ihr wohl nicht nachgedacht?
Ich bin ein Wunschkind, ich weiß es ja,
denn ich bin zu Eurer Bestätigung da.
Daß Ihr ganz Mann seid und ganz Frau,
das sieht nun jeder ganz genau.
Vom einen die Ohren, vom andern der Mund,
ein süßes Gesicht und natürlich gesund.
So werd‘ ich geschoben im teuersten Wagen,
dann braucht Ihr mich wenigstens nicht zu tragen.
Und ein zweites Kind wird verhütet,
Mama ist kein Vogel, der jedes Jahr brütet,
und ihr Bauch – gehört Vater
und ihr?
Und was wird aus mir?