Linkspartei in Deutschland gegen Ausbeutung der Familien
Posted: 01.12.2006, 00:58
Die saarländische Linkspartei kündigte an, sie wolle gegen die "Ausbeutung" von Familien vorgehen. Sie schlug die bundesweite Einführung eines sozialversicherungspflichtigen Erziehungsgehalts für Mütter oder Väter vor, die zu Hause für ihre Kinder sorgen. Wie die familienpolitische Sprecherin des Landesvorstands der Linkspartei, Christa Müller, jetzt in Saarbrücken gegenüber dieser Zeitung erläuterte, halte sie Hausbesuche in Verbindung mit einem Erziehungsgehalt für die bessere Lösung. Das Erziehungsgehalt solle nicht obligatorisch sein; doch wer es in Anspruch nehme, müsse sich regelmäßige Hausbesuche durch eine an das Jugendamt angegliederte Familienberaterin gefallen lassen. Diese soll überprüfen, ob Fürsorge und Erziehung auch tatsächlich stattfänden. Frau Müller sieht diese Hausbesuche, die schon während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt, bis zum dritten Lebensjahr viertel- und schließlich halbjährlich stattfinden sollen, auch als eine Möglichkeit an, Mißhandlung von Kindern einzudämmen.
Das Erziehungsgehalt solle an alle Familien mit Kindern unter zwanzig Jahren gezahlt werden und im ersten Lebensjahr des Kindes 1300 Euro, im zweiten und dritten Lebensjahr 800 Euro und bis zum zwanzigsten Lebensjahr 400 Euro betragen. Nach den Worten der Linkspartei-Politikerin ist das Erziehungsgehalt "kein Ersatz für ein Erwerbseinkommen, sondern Entgelt für eine erbrachte und nachzuweisende Fürsorge- und Erziehungsleistung".
Es dürfe nicht sein, daß die Betreuung von Kindern nur dann staatlich finanziert werde, wenn sie in Betreuungseinrichtungen stattfinde.
Zu den Kosten ihres Modells, das weitgehend vom Bund zu finanzieren wäre und ein Ende des Kindergeldes bedeuten würde, verweist Frau Müller auf eine Studie des ifo-Instituts in München, wonach Familien pro Kind im Laufe des Lebens 76900 Euro mehr an Steuern und Beiträgen in die Sozialsysteme einspeisten, als sie herausbekämen.
Das heiße, daß in Deutschland Familien "nicht gefördert, sondern ausgebeutet" würden. Diese Ausbeutung müsse beendet werden, denn darin liege der Hauptgrund für die niedrigen Geburtenraten.
Christa Müller ist mit Oskar Lafontaine verheiratet, der im Saarland für die Linkspartei als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten antreten will.
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Traumberuf Hausfrau - Feminismus am Ende?
von Christa Müller
Die familienpolitische Sprecherin der Linkspartei im Saarland und Ehefrau von Oskar Lafontaine, sagte bei [email protected] zur Benachteiligung von Frauen im Berufsleben: „Die Frauen sind heute im beruflichen Bereich nicht so benachteiligt, wie das häufig hingestellt wird. Viele Frauen mit potenziell sehr guten Karrierechancen - im mittleren und höheren Management - entscheiden sich dann halt so wie ich für die Familie.“
Zu ihrer Forderung nach einem Erziehungsgehalt und mehr Wahlfreiheit: „Damit würden wir alle Fliegen mit einer Klappe schlagen. Das Geld bekommen alle Eltern, egal, ob sie sich jetzt selbst um die Kinder kommen oder nicht. Wenn also Mutter oder Vater zuhause bleiben wollen, können sie dieses Geld als ihr Einkommen betrachten. Wenn aber beide erwerbstätig bleiben wollen, können sie mit dem Erziehungsgehalt eine Betreuung bezahlen. Damit würden auch sofort Betreuungsplätze entstehen.
Gerade die Wahlfreiheit gibt es heute nicht. Einerseits sind gar keine Betreuungsplätze da, andererseits haben einkommensschwache Familien überhaupt nicht die Möglichkeit, auf ein Gehalt zu verzichten.
Egal welche Art von Betreuung der Staat finanziert – ob Kinderkrippen oder Tagesmütter – ein gerechtes System muss auch die Betreuung durch die Mutter bezahlen. Es ist mir einfach nicht einsichtig, dass die Erziehungsarbeit unterschiedlich gewertet und bezahlt wird.“
Zur Rolle des Staates in der Kindererziehung: „Man denkt, dass die staatliche Betreuung die Eltern ersetzen kann. In Frankreich hat man nach den Unruhen der Jugendlichen festgestellt, dass sie es trotz Ganztagsbetreuung bis zum Abitur nicht schaffen, die Jugendlichen so zu sozialisieren, dass sie in der Gemeinschaft integriert sind.“
Christa Müller, Jahrgang 1956, wuchs in Frankfurt/Main in einer Hoteliersfamilie auf. Nach dem Abitur im Jahre 1975 besuchte sie eine Sprachenschule. 1976 bis 1981 studierte sie Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und schloss die akademische Ausbildung als Diplom-Volkswirtin und Diplom-Kauffrau ab.
1979 wurde sie Mitglied der SPD. Als stellv. Bezirksvorsitzende der Jusos in Hessen forderte sie einst ein "Recht auf Faulheit für alle, die arbeiten ", damit "jene, die arbeiten wollen, auch arbeiten können".
Den beruflichen Werdegang begann Müller bei den EU-Sozialausschüssen in Brüssel. 1985 wechselte sie von dort in den Landtag von Hessen und zwei Jahre später zu Ministerpräsident Hans Eichel in die Staatskanzlei des Landes Hessen. 1988 kam die Fachfrau in Sachen Ökonomie und Oberregierungsrätin in die Bonner Parteizentrale der SPD.
HINWEIS:
Verstaatlichung der Kinder