Manche Formen der Fremdbetreuung können bestimmten Babys und Kleinkindern nützen,
andere Formen können ein Entwicklungsrisiko darstellen.
Richard Bowlby 2006
Bindungsforscher wissen schon seit langem um den traumatischen Effekt, der entsteht,
wenn Babys und Kleinkinder sich für 10 Tage und länger ohne Bezugsperson in Krankenhäusern oder Kinderheimen aufhalten müssen.

Neuerdings aber machen sich die Forscher Gedanken darüber,
ob nicht der tägliche Aufenthalt ( 8 Stunden) von Babys und Kleinkindern in Tagesstätten ohne feste Bezugsperson
einen ähnlichen Effekt haben kann,
auch wenn die Auswirkungen auf die psychologische und emotionale Entwicklung weniger dramatisch verlaufen.
Forschungen weisen darauf hin, daß Babys und Kleinkinder unter 30 Monaten in Fremdbetreuung der Trennung besser gewachsen sind,
wenn sie eine stabile Beziehung zu einer Betreuerin/einem Betreuer entwickeln, die/der dadurch zur sekundären, zur zweiten festen Bezugsperson wird.
Wenn dieser Betreuer konstant und zuverlässig erreichbar ist, ist es eher unwahrscheinlich,
daß solche Babys und Kleinkinder die negativen Konsequenzen der wiederholten Trennung von ihrer primären Bindungsperson erfahren -
emotional benachteiligte Kinder können sogar davon profitieren, eine sichere sekundäre Bindungsbeziehung zu haben.
Wenn diese kleinen Kinder aber über den Tag von mehreren verschiedenen Betreuern versorgt werden,
und wenn sie es nicht schaffen können, eine längerfristige sekundäre Bindung zu einem der Betreuer aufzubauen,
zeigen die Forschungsergebnisse, daß die meisten Kinder unter diesen Voraussetzungen einem erhöhten Streßpegel ausgesetzt sind.
Neurowissenschaftler haben in der Gehirnentwicklung von Babys und Kleinkindern,
die chronischen Streß erfahren, Veränderungen festgestellt und einen Zusammenhang hergestellt
zwischen diesen Gehirnveränderungen und einem späteren Ungleichgewicht der Streßachse bei Kindern und Jugendlichen.
Fachleute für die kindliche seelische Gesundheit, die sehen,
daß die Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten und emotionalen Problemen mit zerrütteten oder inadäquaten Bindungen in der Kindheit zusammenhängen,
erkennen auch das Potential an psychologischen Problemen,
die durch wiederholte streßverursachende Trennungen ausgelöst werden können.
Doch ist vielen Laien nicht bewußt, daß diese scheinbar harmlosen Kindheitserfahrungen ernsthafte Risikofaktoren darstellen,
welche die emotionale und soziale Entwicklung der Kinder gefährden können.
Die gängigen Bindungsrisikofaktoren, wie unsichere Bindung, Tagesbetreuung ohne feste Bezugsperson oder Eltern, die sich trennen,
tragen häufig zu einer Reihe von sozialen und emotionalen Problemen der Kinder bei.
Darunter zählen Aggressivität und Verhaltensauffälligkeiten, geringes Selbstbewusstsein,
schlechte schulische Leistungen, Aufmerksamkeitsdefizite, schwache Bindungsfähigkeit,
Schulschwänzen, Traurigkeit und Depression, Drogen- und Alkoholmißbrauch,
Selbstverletzung und Eßstörungen, wenig Einfühlungsvermögen und negative Lebenseinstellung.
(Übertragungen aus dem Englischen von Alexandra Maria Linder M.A.)
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Confusion About Daycare
Some forms of non-parental daycare can benefit certain babies and toddlers, and other forms can be a developmental risk factor.
Richard Bowlby 2006
Attachment researchers have long known the traumatic effect on babies and toddlers when they stayed in hospital or residential nursery for ten days or more without an attachment figure, but now researchers are worried that daily separation for eight hours in daycare without an attachment figure may have a similar though less dramatic impact on psychological and emotional development.
Research indicates that babies and toddlers under thirty months who experience non parental daycare cope better with the separation if they have a stable relationship with one carer, who becomes a secondary attachment figure. When that carer is consistently accessible, the baby or toddler is unlikely to experience the negative consequence of repeated separation from their primary attachment figure; emotionally disadvantaged babies and toddlers may even benefit from having a secure secondary attachment relationship.
But when babies and toddlers are cared for during the day by several different carers and do not manage to form a long-term secondary attachment to any one of them, research data indicates that most of them will experience elevated levels of stress. Neuroscientists have observed changes in brain development of babies and toddlers who experience chronic stress, and have linked these brain changes to subsequent imbalances of neuro-chemicals in children and adolescents.
Child mental health workers who see the increase in behavioural and emotional problems associated with disrupted or inadequate childhood attachments will recognise the potential for psychological problems that repeated stressful separations could provoke. But many lay-people are not aware that these seemingly innocuous childhood experiences may be serious risk factors which can compromise the emotional and social development of children.
Common attachment risk factors, such as being insecurely attached, being in day-care without an attachment figure and having parents who separate, will often contribute to a range of children's social and emotional problems including aggressive and antisocial behaviour, low self esteem, low academic achievement, attention deficits, poor relationships, truancy, unhappiness and depression, drug and alcohol abuse, self harm and eating disorders, poor empathic skills, and negative expectation of life.
Siehe auch:
Kinderkrippen sind ein Verbrechen an der Menschlichkeit
CHRISTLICHES FORUM: Neue Studie bestätigt Psycho-Schäden bei Kita-Betreuung