alwis wrote:Außerdem gibt es in Oberösterreich ein gutes Musikschulwesen, das mit Ganztagsschulen auf die Abendstunden verdrängt würde – und damit für viele nicht mehr genutzt werden könnte – das wären einige kulturelle Schritte rückwärts.
Nicht zu reden von vielen anderen Vereinen und Aktivitäten unserer Kinder, die an Nachmittagen stattfinden.
Hallo Alwis!
Ja! Das sage ich mir auch schon immer.
Als Kind bin ich nachmittags nach den Hausaufgaben durch die Gegend gestromert, und habe mir spoantan mein Nachmittagsprogramm mit meinen 4 Geschwistern und/oder unzähligen Freundinnen selber gestaltet.
Meinen Kindern habe ich das auch noch annähernd bieten können. Nur das mit dem Nachmittagsprogramm mit Freunden und Freundinnnen war schon nicht mehr so einfach. Man musste schon mit den Eltern Termine für Besuche vereinbaren. So verplant waren die Anderen.
Ich bin der Meinung, wenn sich ein Kind schon 5, 6, 7 Stunden dem Schulsystem unterordnen muss, soll es die restliche Zeit zur freien Gestaltung haben.
Individualität und Spontanität ... und nicht 16 Stunden nach einem starren Terminplan.
Als Jugendbetreuerin sehe ich heute schon, wie schwierig es für viele Kinder ist, unsere Heimstunden wahrzunehmen. Und so schwinden unsere Mitgliederzahlen von Jahr zu Jahr.
Mit der Ganztagesschule wird es wohl das Ende unseres Nachwuchses geben.
Dort wo früher auch (oder sogar vorwiegend

) am Samstag die Heimstunden abgehalten wurden, kann im Jahr 2006 kein einziger Leiter mehr auf diesen Tag zurückgreifen. Samstag und Sonntag gehört den Eltern … die ihre Kinder nur noch an diesen beiden Tagen wirklich bei sich haben.
So wird im Falle einer Ganztageschule wohl der Abend nach dem Unterricht + Nachmittagsbetreuung auch nur noch ausschließlich den Eltern gehören.
Ich sträube mich mit Händen und Füßen gegen den Weg, der momentan politisch „gefo(ö)rdert“ wird.
Frau muss unabhängig vom Partner sein! ……. Kein schlechter Ansatz!
Aber der einzige Weg ist nur der, dass sie „arbeiten“ geht, und die staatlichen Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch nimmt …. die wie die Pilze aus dem Boden schießen.
Warum kann man die Arbeit der Familienfrau nicht auch finanziell, und steuer-/pensionsversicherungspolitisch, anerkennen? Damit wäre sie genauso unabhängig vom Partner. Wir bräuchten keine Ganztagesschulen mehr … wir bräuchten keine Kinderkrippen mehr, und auch die Ganztageskindergarten- und Hortplätze stehen ausreichend genug zur Verfügung.
Außerdem hätten wir durch die „Familienfrau“ ein großes Netzwerk an Tagesmüttern, auf die außerhäuslich berufstätige Mütter und Väter zurückgreifen können.
Ich habe die Zahlen vom
Kath. Familienbund aus der aktuellen Zeitschrift „Ehe und Familie“ (09/10 2006) hier liegen.
Auf Seite 4 ist zu lesen ….
Nachmittagsbetreuung an den Pflichtschulen
1995/96 (also in der Zeit als meine Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter waren) haben 29.000 Kinder dieses Angebot wahrgenommen.
2006/07 sind es geschätzte 80.000 Kinder
Obwohl die Kinderzahlen jährlich sinken, stieg die Zahl jener Kinder, die am Nachmittag betreut werden, um beinahe 2/3.
Ich weiß, wie engagiert viele Betreuer in den Kindergärten oder Horten arbeiten. Aber es ist niemals mit
der Kindheit zu vergleichen, die ich verleben durfte.
Und das tut mir für diese Kinder sehr Leid.
Im Interesse der Kinder, müssen wir neue Wege einschlagen. Back to the roots. Kindererziehung ist Familiensache … staatliche Kindererziehung darf nur noch unterstützend wirken.
Gefördert wird derzeit leider: Der Staat übernimmt die Betreuung und Erziehung der Kinder ab dem 18 Lebensmonat … spätestens aber ab dem 2. Geburtstag.
Und das darf es nicht sein!
Kinder haben ein Recht auf einen Elternteil, einen Großelternteil, oder (als drittbeste Möglichkeit) eine flexible Tagesmutter. Und das Recht dort nach ihrem eigenem Rhythmus zu leben, und sich nicht schon viel zu früh dem Rhytmus der Erwachsenen unterwerfen zu müssen.
Und das kann man nur ermöglichen, wenn man Familien finanziell unter die Arme greift … indem man z.B. Familienarbeit als Beruf anerkennt.